Fruchtsäuren in der kosmetischen Praxis
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Der Einsatz von Fruchtsäuren ist heutzutage in der Kosmetik nicht mehr wegzudenken. Eine effektive Methode der Schälung von verschiedenen Hautschichten – je nach gewünschtem Ergebnis und angewendeter Säure. Hier erfahren Sie, welche Säuren am häufigsten angewendet werden und was zu beachten ist. von Ivana Stubnova

Grundsätzlich gilt, je stärker ein Peeling, desto tiefere Hautschichten werden dadurch abgetragen. Chemische Peelings (Säuren) lassen das Eiweiss der Haut gerinnen (denaturieren). So kommt es beispielsweise dazu, dass bei einem Trichloressigsäure-Peeling ein «Frosting» auftritt, das heisst, eine weisse Schicht von zerstörtem Protein wird sichtbar. 

Die Stärke eines Säurepeelings ist abhängig von der verwendeten Konzentration, der Einwirkdauer und wie stark es in die Haut «eingerieben» wird. Je stärker ein Peeling, desto intensiver die Effekte, desto mehr Nebenwirkungen müssen aber auch einkalkuliert werden. 

DIE AHA-SÄUREN IN DER KOSMETIK 

Alpha-Hydroxysäure (abgekürzt AHA von der englischen Bezeichnung «Alpha Hydroxy Acids») sind natürliche Frucht- und Milchsäuren und werden als chemisches Peeling benutzt, um die oberste Hautschicht zu lockern und abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen. 

AHAs wirken an der Abschilferung mit, indem sie die Verhornung regulieren und die Epidermis regenerieren. Sie lockern die Kittsubstanz zwischen den Hornlamellen und sorgen auf diese Weise für die gewünschte Glättung der Hornschicht. Hautregenerierend wirken diese Säuren jedoch nur in hoher Konzentration. Sie «verätzen» die Haut gezielt und beschleunigen den Erneuerungsprozess. Die Selbstregulationsmechanismen des Körpers sind bis ans Lebensende auf Ausgleich hin ausgerichtet. Wo Körpersubstanz beschädigt oder entnommen wird, ist der Organismus bestrebt, neues Gewebe zu bilden. Im Falle einer Verletzung ist die Zellteilungsrate erhöht. Dies gilt auch für die Mitose der Basalzellen. Das Glycolsäure-Peeling mit Präparaten in Konzentrationen von 20% bis 70% gehört zurzeit zu den erfolgreichsten Schälmethoden. AHAs können natürlich (aus Weintrauben, Zitronen, Äpfeln und Zuckerrohr) oder synthetisch sein und sind meistens in geringer Konzentration in Fruchtsäureprodukten enthalten. AHAs sind nicht neu für die Hautpflege. Sie werden von Hautärzten bereits seit Langem bei Ekzemen, Schuppenflechte und Akne eingesetzt.

WAS SIND GEPUFFERTE UND UNGEPUFFERTE AHA-SÄUREN? 

Gepufferte AHAs (die meist in der traditionellen Kosmetik eingesetzt werden) wirken wesentlich schwächer als ungepufferte. Das heisst, dass deren pH-Wert unabhängig von der Wirkungszeit immer gleich bleibt und nicht automatisch weiter sinkt. Anders bei ungepufferten Säuren, wo der pH-Wert der Säure mit Wirkungszeit immer tiefer und tiefer ins saurere Milieu fällt. 

Die Kosmetikerin oder der durchführende Arzt sollten darum während der Arbeit mit ungepufferten Säuren behandelte Haut immer im Auge behalten – sonst kann es leicht zur Verätzung der Haut kommen. Aus diesem Grund sollte nur professionelles und vom Hersteller geschultes Personal die Säurenbehandlung mit ungepufferten Säuren in der Kabine durchführen. 

Unsere medizinische Linie «beauty defect repair – bdr» bietet Säuren verschiedener Stärken für jedes Hautbedürfnis sowie auch entsprechende Säure-Schulungen für den sicheren Umgang an. Für die Arbeit mit ungepufferten Säuren in der Behandlungskabine braucht es meistens einen Aktivator und einen Neutralisator. 

Ein Aktivator bereitet die empfindliche Haut zum Beispiel bei den Teleangiektasien an die folgende Säurebehandlung (20% oder mehr) vor. Zusätzlich wird empfohlen, Augenbrauen, Lippen, Nase und Haaransatz mit dem Aktivator zu schützen. Die meisten Aktivatoren sind auf Sodium- Bicarbonat-Basis hergestellt. Der Aktivator wird nicht abgewaschen und die gewünschten Säuren können direkt aufgetragen werden. 

Ein Neutralisator wird direkt im Anschluss an die Säurebehandlung grosszügig auf die behandelte Fläche aufgetragen und mit der Säure aufemulgiert. Danach wird er mit viel Wasser gründlich abgewaschen. Bei Bedarf kann der Vorgang wiederholt werden. 

DIE SÄUREN UND IHRE WIRKUNG 

Milchsäure – auch Laktat genannt, zählt wie die Glycol-, Zitronen-, Apfel- und Weinsäure zu den AHA-Säuren. Milchsäure ist ein sehr sanfter Wirkstoff und deutlich milder als andere Fruchtsäuren. Im Unterschied zum Fruchtsäurepeeling wird der Säureschutzmantel durch eine Milchsäure-Behandlung weder beeinträchtigt noch gestört. Bei Milchsäure können Konzentrationen unter 2,5% und ein pH-Wert von über 5 als sicher gelten. 

Glycolsäure – Glykolsäure ist die kleinste der Alpha-Hydroxysäuren (AHA). Der bewährte Inhaltsstoff fördert eine gleichmässige Exfoliation der Haut, beschleunigt die Zellerneuerung und verbessert feine Linien, die Ebenmässigkeit, den Hautton sowie die Ausstrahlung. Bei Glykolsäure kann eine maximale Konzentration von 4% im Produkt als sicher für den Verbraucher angesehen werden, wenn der pH-Wert 3,8 oder grösser ist. 

Salicylsäure – als sogenannte Beta-Hydroxysäure kann Salicylsäure dabei tiefer als Alpha-Hydroxysäuren (AHAs) in die Haut eindringen und die Ablösung der äusseren Hautzellschichten fördern. Durch die beschleunigte Abschuppung wird die Haut auch zu einer schnelleren Erneuerung angeregt. Aufgrund dieser hornhautauflösenden Wirkung eignet sich die Salicylsäure zur Behandlung von Verhornungsstörungen, entzündlichen Hauterkrankungen wie Akne und Schuppenflechte (Psoriasis). Ausserdem wirkt äusserlich angewendete Salicylsäure schmerzlindernd, antientzündlich und schwach wachstumshemmend auf bestimmte Bakterien und Pilze, welche die Haut besiedeln können. Es gibt verschiedene Darreichungsformen der Salicylsäure, unter anderen Salben, Cremen und Gele. 

Trichloressigsäure – (syn. Trichlorethansäure) ist ein organisches Säureanalogon der Essigsäure, bei dem die drei Wasserstoffatome der Methylgruppe durch Chloratome ersetzt sind. Zudem handelt es sich um ein bakterizides Mittel ohne bekannte systemische toxische Wirkungen. Sie gehört zur Gruppe der chemischen Peelings und wird als solches verwendet, um die Zeichen der Hautalterung und andere Schönheitsmakel der Haut zu mindern. Trichloressigsäure gilt als die stärkste Peelingsäure; als solche wird sie für Peelingbehandlungen verwendet, die in die mittleren und tieferen Hautschichten vordringen, wobei die Konzentration typischerweise zwischen 35% und 50% liegt. 

Phenol – Behandlungsverfahren mit Phenol sind äusserst nachhaltige und intensive Hauttherapien. Ziel des Eingriffs ist es, mittels Abschälung der Haut unerwünschte Veränderungen wie beispielsweise Narben, Falten oder Pigmentstörungen final zu entfernen. Diese Behandlungen werden ausschliesslich von Dermatologen durchgeführt. Der Wirkstoff dringt sofort nach der Applikation in die Oberhaut ein und führt zu ersten Veränderungen. Während die Eiweisse der Oberhaut mit den einzelnen Phenol-Molekülen interagieren, sickert die Peelingflüssigkeit immer tiefer ein. Schliesslich dringt es durch die Dermis (Lederhaut) bis in die gut abgeschirmte Subcutis (Unterhaut) vor. Hier befinden sich die Nerven, die Blutgefässe, das weiche Bindegewebe und das Unterhautfettgewebe. Der Wirkstoff führt zur regelrechten Verätzung der obersten zwei Hautschichten und denaturiert diese. Die Eiweisszellen der Haut verklumpen, sodass sie absterben. Das chemische Peeling führt zu einer starken Abschälung der Haut. 

WICHTIG! UV-SCHUTZ 

Empfindlichkeit gegen UV-Strahlen: Sonne sollte einige Monate nach einem Peeling unbedingt gemieden werden. Wenn man aus dem Haus geht, sollte man Sonnencreme mit einem angepassten Lichtschutzfaktor auftragen, im Sommer bei starker Sonne auf jeden Fall einen sehr hohen Lichtschutzfaktor nehmen. 

CDP SWISS

März 1, 2022

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